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Montag, 27 Oktober 2008 Jahr
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Günter Wallraff: So lebt sich mit Hartz IV
Günter Wallraff: So lebt sich mit Hartz IV. Das neue Machwerk handelt vom Leben eines Arbeitslosengeld II Empfängers. Nicht Wallraff selbst hat sich der Hartz IV Wirklichkeit unterworfen, sondern sein Co-Autor Markus Breitscheidel. Das Buch hat den brisanten Titel: "Arm durch Arbeit".


Günter Wallraff stellt ein neues Buch vor: Markus Breitscheidel hat 18 Monate mit Hartz IV gelebt.

Der bekannte Enthüllungsautor Günter Wallraff hat ein neues Buch der Öffentlichkeit vorgestellt. Das neue Machwerk handelt vom Leben eines Arbeitslosengeld II Empfängers. Nicht Wallraff selbst hat sich der Hartz IV Wirklichkeit unterworfen, sondern sein Co-Autor Markus Breitscheidel. Das Buch hat den brisanten Titel: "Arm durch Arbeit". Breitscheidel hat sich 18 Monate mit den Hartz IV Gesetzgebungen und den niedrig bezahlten Jobs auseinandersetzen müssen und am eigenen Leib erfahren, dass man als Hartz-Betroffener kaum Rechte hat. Er lebte in den 18 Monaten immer am Existenzminimum, trotz zahlreicher Arbeitstätigkeiten. Breitscheidel arbeitete u.a. als Leiharbeiter bei Opel, im Pharmakonzern Beyer/Schering und musste auch zum Ernteeinsatz auf die Apfelplantagen und Erdbeerfelder. Zwischendurch und mittendrin war er immer wieder auf ALG II- Sozialleistungen angewiesen.

Der Autor selbst hat im "richtigen Leben" Wirtschaftswissenschaften studiert und war davor Marketingchef bei einer bekannten Werkzeugfirma. Doch die Arbeit als Marketingchef wurde Breitscheidel zunehmend Sinn-entleerend. Er wollte mehr und in die "Fussstapfen" des Enthüllungsautors Wallraff treten. Beide lernten sich vor ungefähr zehn Jahren kennen.

Bei Hartz IV muss man wirklich auf Sozialleistungen angewiesen sein

Bevor man einen Antrag auf das Arbeitslosengeld II stellen kann, muss die persönliche Situation auch dem "angeglichen" sein. So musste Breitscheidel zunächst alle Rücklagen fürs Alter aufbrauchen und dürfte über keine finanziellen Mittel mehr verfügen. Erst dann wurde dem Antrag auf Hartz IV Leistungen statt gegeben.

Um einigermaßen über die Runden zu kommen, hat Breitscheidel auch Pfandflaschen gesammelt. Dabei machte er die Erfahrung, dass die "Konkurrenz" hier sehr stark ist. Die Armut treibt die Menschen dazu, auf den Straßen Flaschen zu sammeln, um sich wenigstens ein kleines Zubrot zu verdienen. Der Autor machte auf den Straßen die Erfahrung, dass die Pfandflaschen-Reviere eindeutig abgesteckt sind. So sehr verbreitet ist die Armut auf den Straßen von Berlin.

An Hartz IV verdienen zahlreiche Unternehmen

Die Gewinner der Hartz IV Arbeitsmarktrefom sind die Unternehmen. So können Unternehmen an kostenlose Arbeitskräfte kommen, um sie nach zwei Monaten wieder "abstoßen" zu können. Zum Beispiel beschreibt er in seinem Buch, wie ein Briefdienstleister mit einer privaten Arbeitsvermittleragentur zusammen arbeitet. Für jeden vermittelten Job streicht die Agentur 2000 Euro ein. Das Brisante: der Briefdienstleister ist an der Agentur geschäftlich beteiligt. So kam es dann, dass Breitscheidel genau so lange beschäftigt war, bis die 2000 Euro aufgebraucht waren. Denn die Provision wird nur dann von der Arge gezahlt, wenn der Vermittelte genau zwei Monate angestellt ist. Nach dieser Zeit wurde der Autor wieder entlassen. Ein wirklich gutes Geschäft für den Briefdienstleister, denn die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers ist somit nahezu kostenlos.

Zeitarbeit: Arbeiter zweiter Klasse

Das Thema Zeitarbeit behandelt Breitscheidel sehr ausführlich. Zum Beispiel beschreibt er, wie er als Zeitarbeiter bei Opel gearbeitet hat. Das Einstiegsgehalt lag bei 7,15 Euro brutto. Zum Vergleich: das reguläre Einstiegsentgeld liegt bei Opel bei 13,50 Euro. Doch damit nicht genug; Zeitarbeiter werden im Allgemeinen als Arbeitnehmer zweiter Klasse behandelt. So gab es bei Opel für die Leiharbeiter keine Pausenräume, keine Umkleideräume und in der Kantine wurde der doppelte Preis für ein Essen verlangt. Zuschläge für Feiertage und Wochenenden gab es für die Zeitarbeitsnehmer zudem auch keine.

Billiglöhne auf den Feldern: Trotz Arbeit Hartz IV beziehen

Noch weniger verdiente Markus Breitscheidel auf den Obstfeldern. Auf einem Erdbeerfeld verdiente der Buchautor rund 2,50 Euro in der Stunde. Hier wird nicht nach Stundenlohn abgerechnet, sondern nach Erdbeerschälchen. Für ein Schälchen verdient der Erntehelfer 0,25 Cent. Um überhaupt auf dem Feld arbeiten zu können, muss der Erntehelfer ein Auto besitzen. Das ist Einstellungsvorraussetzung. Doch wer kann sich bei einem so geringen Stundenlohn ein Auto leisten? Zudem ist der Verdienst so gering, dass sowieso ergänzendes Arbeitslosengeld II gezahlt werden musste.

Breitscheidel zeigt in seinem neuen Buch eindrucksvoll auf, wie es sich (über-) lebt mit Hartz IV. Hartz IV-Betroffene werden aus dem Buch nicht viel Neues erfahren können- leben sie doch in dieser triesten Realität. Doch alle anderen erhalten durchaus einen guten Einblick in die Machenschaften von Unternehmen und Behörden. Ein gelungenes Machwerk, das parteiisch und dennoch objektiv bleibt. Zu empfehlen für alle Hartz IV Befürworter. "Arm durch Arbeit" von Markus Breitscheidel.
 

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Samstag, 25 Oktober 2008 Jahr
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Dienstag, 21 Oktober 2008 Jahr
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die alten männer
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und das vor 40 jahre

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wir werden alle alt
die musik bleibt jung
 

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Montag, 20 Oktober 2008 Jahr
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Sonntag, 12 Oktober 2008 Jahr
19:46     Eintrag wurde markiert  
Körper - Kunst - Pornographie:
Betrachtungen künstlerischer Zusammenspiele
im Oeuvre des Fotografen Peter Franck


Einen Jahrhunderte alten Streit wie diesen mit wenigen Seiten Text beizulegen ist
sicherlich illusorisch. Deshalb wird hier ausdrücklich nur der Versuch unternommen,
sich dem komplexen Verhältnis der Kunst zum Körper zu nähern und den
besonderen Bereich zu beleuchten, in dem Kunst scheinbar aufhört sie selbst zu
sein und zu etwas anderem wird, nämlich zu Pornographie. Da es sich hier um ein
Grenzgeschehen zu handeln schein, geht es erst einmal darum die betreffenden
Begriffe näher zu bestimmen; es folgen Verortungen und Differenzierungen.
Soweit es den Begriff Kunst angeht, halte ich mich zunächst an eine Aussage von
Professor Torkhild Hinrichsen, Kurator im Altonaer Museum: Kunst ist nicht einfach
das, was es wert ist gesammelt und der Nachwelt hinterlassen zu werden,
weil es etwas Signifikantes über die Zeit seiner Entstehung oder den Stil einer bestimmten
Epoche aussagt. Bei Kunst handelt es sich auch oder gerade um solche
Dinge, die kostbar, selten und besonders sind - weshalb sie zu ihrer Zeit, oder besser
zu Lebzeiten ihres Schöpfers nicht immer mit Begeisterung von der Masse akzeptiert
wurden. Insofern ist Kunst keine Frage des guten Geschmacks, sondern
der Zeit oder genauer der Einstellungen einer Gesellschaft, ihren expliziten und
impliziten Werten, Maßstäben, Vorstellungen von Gut und Böse...

Innerhalb eines solchen Zeitgeistes existieren auch bestimmte Körperbilder, geprägt
von diversen Diskursen. Aufgrund der offenen Struktur von Diskursen können
diese Bilder auch im Nachhinein nie ganz eindeutig bestimmt werden. Sowohl
die Vereinnahmung des Körpers durch natur- und geisteswissenschaftliche
Disziplinen, als auch die Körpermodelle in Literatur und Kunst bilden die Basis
für ein solches periodisch geltendes Körperbild.
In Bezug auf die hier relevante Frage, Pornografie oder Kunst?, die an ein Werk
gestellt wird, zeigt sich, dass unter Berücksichtigung des Laufs der Geschichte,
keine allgemein gültige Antwort gefunden werden kann. Viele bedeutende Werke
der Kunst haben zur einen Zeit die Sittenwächter auf den Plan gerufen, zur anderen
keinerlei Aufmerksamkeit erregt. Handelt es sich hier schlicht um ein Phänomen
gesellschaftlichen Fortschritts in Bezug auf Moral?
Erregt Ingres‘ schelmisch grinsender Amor von 1814 schon lange keinen Anstoß
mehr, weil wir heute glaubhaft behaupten, dass Sexualität etwas Natürliches sei,
wofür man sich nicht zu schämen bräuchte? Wohl kaum, denn Sexualität, allein
das Wort, ist heute mehr den je mit Bildern behaftet, die zwischen Polen extremer
Natürlichkeit und Künstlichkeit schwanken.

Die Erfindung des natürlichen Körpers
Judith Bulter vertritt in ihrem 1990 erstmals erschienenen Text Das Unbehagen
der Geschlechter explizit die These von der Nicht-Existenz eines natürlichen Körpers.
Sie schockiert mit der Behauptung, dass es sogar überhaupt keinen vor-kulturellen
Körper gäbe, schon gar keinen sexuellen. Butler folgt darin den Thesen
Michel Foucaults, die seit den 70er Jahren einen Diskurs eršffneten, der sich mit
dem Verhältnis von Körper, Kultur und Macht beschäftigt. Bei Butler und
Foucault ist der Körper nicht in einen natürlichen, biologischen, sexuell freien und
einen sozialen Körper, geteilt. Butler kritisiert explizit die Vorstellung eines sozialen
Körpers, der jenem natürlichen Körper nachfolge, indem er sich in diesen einschreibt,
wie in ein passives Medium (vgl. Bulter, Das Unbehagen..., S. 26).
„Der Leib ist selbst eine Konstruktion (...)“, so Butler (ebd.).
Wie das von Butler kritisierte Verständnis vom Körper als Medium der Einschreibung von Kultur aussehen könnte,
zeigt der Regisseur Peter Greenaway in seinem Film the pillow book aus
dem Jahr 1995 (hier eine Szenemit Vivian Wu).


Er erzählt mit intermedialen Bildern die Geschichte einer Frau, die nach dem perfekten Liebhaber sucht, der ihr in der Nachfolge ihres Vaters,
eines berühmten Kalligrafen, die Haut mit Zeichen schmückt und dabei ihr Begehren weckt und befriedigt, was immer wieder misslingt,
bis sie auf einen Mann trifft, der versucht sie aus den Verstrickungen dieser Begehrens-
Struktur zu befreien; Er scheitert jedoch, stirbt und hinterlässt ihr ein Kind, quasi
als Ersatz für die Zeichen auf der Haut, nun jedoch im Körperinneren. Greenaway
zeigt wie komplex die Verhältnisse von Körper, (sexuellem) Begehren und Kultur
miteinander verwoben sind – eigentlich unentwirrbar.
Anders als bei Greenaway oder der franzšsischen Künstlerin Orlan, in deren Happenings
die Kulturtechnik unter die Haut geht, sich quasi „...mittels Skalpell, Kanüle
und Zange in das Fleisch ein(schreibt)“, so Markus Buschhaus1
 

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